Training in Abu Dhabi

Warum eigentlich Abu Dhabi? (von Faris Al-Sultan)

Im Jahre 1999, noch bevor die Namen Vereinigte Arabische Emirate, Dubai oder Abu Dhabi jedermann geläufig waren, fuhr ich ein erstes Mal "in die Wüste" nach Al Ain, der Oasenstadt 160 km südöstlich von Abu Dhabi Stadt. Warum? Eine jahrzehntelange Freundschaft verbindet meinen Vater mit mehreren einheimischen Familien und einige Jahre zuvor, als ich noch kein Triathlet war, machte ich eine Urlaubsreise durch die sieben Emirate. Als es dann darum ging, im Frühjahr eine geeignete Traininglagerstätte zu finden, erinnerte ich mich an das angenehm warme und regenarme Klima, die wenig frequentierten und guten Straßen und den mit dem Rad befahrbaren Berg (Jabel Hafeet), der mittlerweile durch einen Automobilwerbefilm populär wurde. Also machte ich mich auf den Weg ins Abenteuer.

Mein erstes Trainingslager war sportlich gesehen aus verschiedenen Gründen eher wenig produktiv, aber die Liebe zu den Emiraten war da. In den kommenden Jahren durfte ich die Entwicklung des Landes und der Infrastruktur erleben, die Veränderung der Bevölkerungszusammensetzung, die Verzwanzigfachung der Triathletenzahl, die Gründung eines anständigen Radgeschäfts und vieles mehr. Die Zunahme des Verkehrs und ein Anstieg der Hotel- und Immobilienpreise war eine etwas weniger angenehme Begleiterscheinung dieser Entwicklung.

Vom Profi bis zum absoluten Hobbyathleten haben mich Leute in die Emirate begleitet oder sind in jüngster Zeit selbst gefahren, um die Bedingungen zu nutzen. Meine Erlebnisse dort könnten Bücher füllen und sind Gesprächsgegenstand vieler gemeinsamer Abendessen.

Training in Al Ain

Grundsätzlich bieten sich die Wintermonate für ein Training in dem Emirat Abu Dhabi an. Von November bis April findet man dort die besten Bedingungen. Im Dezember und Januar hat es im Schnitt 20 Grad. Im März wird schon die 30 Grad Grenze erreicht oder überschritten. Die Wetterlage ist generell sehr stabil und Regentropfen sieht man äußerst selten.

Schwimmen

In Al Ain gibt es 2 Trainingbecken im Freien, die jeweils in eine Hotelanlage integriert sind. Das Hilton bietet ein 25-Meter, das Intercontinental ein 33-Meter Becken. Beide sind für ein Schwimmtraining gut geeignet und in der Regel gibt es nie Platzprobleme. Neben den Pools stehen an den selben Orten Krafträume zur Verfügung, die das Trainingsprogramm abrunden.

Radfahren

Für das Radtraining stehen genügend Möglichkeiten zur Auswahl. Grundsätzlich ist der Straßenbelag sehr gut und das Verkehrsaufkommen mäßig, sobald man die Stadtgrenze von Al Ain überquert hat. Auf den meisten Straßen gibt es Standstreifen, die vom Radfahrer genutzt werden können. Die Topographie aller Strecken (bis auf eine Ausnahme) ist flach bis leicht hügelig. Dabei geht es den Dünen rauf und runter, natürlich auf der Straße und nicht im Sand. Der Dschebel Haffet ist die große Ausnahme. Etwa 10 Kilometer muss man auf einer neu geteerten Straße ständig bergauf, bis man einen großen Platz mit sensationeller Aussicht über Al Ain und die umliegende Gegend erreicht hat. Das ist der einzige Berg des Landes, der in dieser Form mit dem Rennrad befahrbar ist. Da Al Ain eine Grenzstadt zum Oman ist, kann auch der Nachbarstaat mit dem Rad ergründet werden. An der Tatsache, dass es sich auf beiden Seiten um eine Wüste handelt, kommt man nicht vorbei. Trotzdem sind beide Länder völlig unterschiedlich. Gibt es in Abu Dhabi ein Sandmeer, soweit das Auge reicht, bietet der grenznahe Oman mehr zerklüftete Steine und Felsen, die ebenso beeindruckend sind.

Laufen

Auch dem Läufer werden abwechslungsreiche Strecken in Al Ain geboten. Als erstes soll das Wadi, ein ausgetrocknetes Flussbett, genannt werden. Dort kann man endlos flach laufen, aber auch Schatten findet man keinen. Wem nach etwas Kühlung zumute ist, ist mit der Oase von Al Ain gut beraten. Unzählige Wege führen durch die kleinen Dattelhaine. Wenn man dort das erste Mal eindringt, kann es schon vorkommen, dass man nicht gleich den Weg wieder raus findet und ungewollt eine ausführlichere Oasenbesichtung macht. Aber auch der Berg Hafeet kann per Pedes auf der Straße oder auf schroffen Wegen erzwungen werden.

Essen in Al Ain

Kulinarisch ist alles geboten. Beginnend bei der arabischen Küche über den (arab.) Dönerstand, der indischen und asiatischen Kost bis zu allen Fast-Food-Ketten findet man alles, was Magen und Kopf begehren. Aber auch billige Arbeiterlokale, wo der pakistanische LKW-Fahrer einkehrt, sind zuhauf zu finden.

Wenn man schön essen möchte, geht man am Abend ins Hotel Mercure am Jabel Hafeet. Man muss unbedingt einen Fensterplatz reservieren. Die Aussicht auf das Lichtermeer ist beeindruckend.