Jan van Berkel holt sich den letzten Schliff im Höhentrainingslager (12.07.2011)

Für den schweizerisch/holländischen Kurzdistanzler im Team geht es in den kommenden Wochen um einiges. Er möchte die nötigen Platzierungen bei den Weltmeisterschaftsrennen über die olympische Distanz in Hamburg und London erringen, um seinem Olympiatraum näher zu kommen. Bis kurz vor dem ersten Bewerb trainiert er in den schweizer Bergen. Hier berichtet er von dem auch im Triathlon immer häufiger eingesetzten Höhentrainingslager.

Ich habe schon mehrere Male auf dieser Homepage von meinen Höhentrainings geschrieben. Es wird Zeit, einmal einen genaueren Einblick in ein solches zu geben. Der theoretische Hintergrund eines Höhentrainings ist simpel: Die Luft in der Höhe ist dünner, womit der Körper pro Atemzug weniger Sauerstoff einatmet und in einer ständigen Sauerstoff-Unterversorgung ist. Der Körper passt sich an diesen Zustand an, indem er das Blutvolumen vergrößert, die Lungen- und Muskelarbeit ökonomisiert sowie die Kapillarisierung der Muskeln verbessert. Alle diese Anpassungen brauchen Energie, weshalb weniger hart trainiert werden kann als im Flachland, zumindest für die ersten Tage.

Ich habe bereits an vielen Orten Höhentrainings absolviert, wobei St. Moritz mein absoluter Favorit geworden ist. So erstaunt es nicht, dass ich fürs wichtige Trainingslager vor den World Champ Series Rennen in Hamburg und London hierher gekommen bin. Mein Trainer sowie das gesamte niederländische Olympia Team sind ebenfalls hier. Wir trainieren auf 1800m und ich schlafe auf dem Muottas Muragl auf 2500m. Das Training in der Höhe verzeiht keine Fehler. So werde ich von John, meinem Trainer, dazu animiert, vermehrt auf mein Körpergefühl zu hören. Wir sichern unsere subjektiven Beobachtungen mit täglichen Messungen von Sauerstoffsättigung im Blut SpO2, Herzfrequenzvariabilität und Ruhepuls ab und passen entsprechend das Training an. Das SRM ist ständiger Begleiter auf dem Rad und erinnert mich daran, mein Ego zu zügeln, wenn Radprofis vor mir fahren...:) Die Ernährung supplementiere ich gezielt mit Proteinshakes, ich trinke sehr viel isotonische Getränke, da mit der erhöhten Atemfrequenz pro 1000m Höhendifferenz ca. 1l Flüssigkeit mehr als zu Hause abgeatmet wird.

Da ich in dieser Saison bereits 12 Wochen in künstlicher oder natürlicher Höhe verbracht habe und mein Körper sich somit schneller an die Höhe anpasst, hat John meine Adaptionszeit ziemlich kurz gehalten. Bereits am zweiten Tag hatte er mir ein ordentliches Schwimmtraining aufgetragen. Ich war enttäuscht mit meiner Leistung in diesem Training, wobei eben auch dies in der Höhe dazugehört: Geduld. Eine sehr gute Lektion, die mich immer wieder erneut herausfordert. Neben dem Training ist es vor allem die wunderschöne Engadiner Umgebung, die mir eine große Energiequelle ist. So hoffe ich, dass auch in diesem Jahr diese Energie mich durch die Innenstadt Hamburgs und durch den Hyde Park fliegen lässt! Für die handfeste Energie sorgt der Küchenchef des Hotels hier oben mit seinem berühmten Mousse au Chocolat, es soll bereits Viktor Röthlin zu EM Gold und Sabine Spitz, welche momentan ebenfalls hier weilt, zum Olympiasieg gebracht haben... mal schauen wie es bei mir wirkt!