Kaum ist der Vorhang zur Hauptvorstellung gefallen, schon werden die Akteure wieder aktiv. Viele meiner Mittribären wollen ihren Pflichtironman loswerden, was manchem zweitklassigen Rennen ein erlesenes Starterfeld beschert. Andere wollen Punkte sammeln und wieder andere genießen die “staade Zeit” daheim mit Schwimmen, Laufen, Mountainbikefahren und Lebkuchen. Swen, Kristin, und ich haben beschlossen, auf Lebkuchen und das MTB zu verzichten und uns stattdessen wieder nach Al-Ain begeben. Swen, um sich vor dem Punktesammeln beim Ironman in Cozumel den letzten Schliff zu holen, Kristin in der Hoffnung ablenkungsfrei etwas nicht existente Grundlage zu machen und an der Schwimmtechnik zu arbeiten, um dann in Western Australia ein drittes Mal in diesem Jahr alles in Grund und Boden zu Laufen. Ich dagegen, um den bewusst angefressenen Hüftspeck zu bekämpfen und dezent die Form kommen zu lassen. Nach zehn Tagen kann ich sagen, dass Swen den letzten Schliff hat, während mein Speck noch da und Kristins Grundlage immer noch abwesend ist. Gut dass Swen bald fährt und wir noch an uns arbeiten können.
Al-Ain entwickelt sich jedes Jahr weiter. Neben ausgebauten oder komplett neuen Straßen gibt es jetzt eine Kajak- und Surfanlage mit zwei angelegten “Seen” am Fuß des Berges (Dschebel Hafeet). Dort etabliert unser langjähriger Freund Dave solides Freiwassertraining und Wettkämpfe. Neue Hotels und Einkaufszentren entstehen auch und Al-Ain war über die Eid Al-Adha Feiertage (wichtigstes islamisches Fest am Ende der Pilgerzeit) nicht wiederzuerkennen. Der Andrang überfiel sowohl den Berg, den Zoo aber auch sämtliche Hotels.
In Dubai wird die Radszene immer größer. Zu meiner großen Freude nimmt auch die Zahl der jugendlichen einheimischen Radfahrer zu. Der unermüdliche Einsatz von Wolfgang “Wolfi” Hohmann, den Rad- und Triathlonsport zu fördern und zu unterstützen, kann in diesem Zusammenhang nicht genug betont werden.
Überschattet wird diese schöne Entwicklung von immer wieder auftretenden tödlichen Unfällen, was zwar natürlich auch bei uns vorkommt. Die Art und Weise der Unfälle macht leider immer wieder deutlich, dass der Radfahrer noch nicht als gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer gesehen wird und die Entwicklung des Humankapitals dort länger dauert als der Straßenausbau.
Nichtsdestotrotz ist Al-Ain für mich immer noch ein Spitzentrainingsrevier.
Die Wüste ruft!