Der Teamkapitän resümiert (12.12.2009)

Als die Abu Dhabi Toursim Authority uns im Frühjahr mitteilte, dass wir im Rahmen unseres Sponsoringvertrages eine Mannschaft für die Abu Dhabi Adventure Challenge stellen sollten, war uns schon klar, dass dies eine besondere Herausforderung sein würde. Dass ein Start für unsere Ziele, einerseits den Teamgedanken zu stärken, aber auch den Multisportlebensstil zu propagieren, sowie die sportlichen Möglichkeiten in Abu Dhabi darzustellen, optimal wäre, war auch klar. Unserem abenteuerlustigen und unkonventionellen Stil entsprach das Ganze sowieso. Gesagt, getan. Kaum hatten wir uns von Hawaii erholt, begann die Vorbereitung für das Kajakfahren und das Klettern, Ausrüstung wurde eingekauft und Pläne wurden geschmiedet.

So fanden sich Andrea, Werner, Christian Rothart (unsere externe Verstärkung zu der wir greifen mussten, nachdem andere Teammitglieder berechtigte Entschuldigungen vorbringen konnten) und ich uns am 3. Dezember in Abu Dhabi bei der Wettkampfbesprechung in einem illustren internationalen Starterfeld von insgesamt 160 Teilnehmern wieder. Die Bandbreite erstreckte sich da vom Adventure Profi, wie dem späteren Sieger Richard Ussher, der heuer unter anderem 3. bei der Quelle Challenge in Roth wurde, bis hin zu schwer überforderten Abenteurern. Wir waren sichtlich erheitert, als deutlich wurde, dass es unter den Teilnehmern einige gab, um deren Schwimmkünste es derart schlecht bestellt war, dass sie für die Möglichkeit, mit Schwimmweste zu schwimmen, mehr als dankbar waren. Bei der anschließenden Ausrüstungskontrolle dagegen waren wir ob des Gewichts unserer "Aldi"-Zelte die Lachnummer.

Am nächsten Tag sollte der "Prolog" stattfinden - eine Art Quadrathlon mit MTB-Fahren, Laufen, Schwimmen, Kajakfahren, Laufen und noch einmal Kajakfahren vor der spektakulären Kulisse des Emirates Palace und der Skyline von Abu Dhabi. Unser Ziel, nach dem Schwimmen zu führen, wurde erreicht. Dann wurden uns beim Kajakfahren aber schnell die Grenzen aufgezeigt. Die anschließende 33 Kilometer lange Kajaketappe wurde für uns wenig glorreich dafür aber lehrreich und wir hatten wieder einmal die Lacher auf unserer Seite, als das "Österreicherboot" mit Werner und Christian umkippte. Aber nach fünf Stunden war ein kleiner Sandhaufen erreicht der für die erste Abenteuernacht unseren Lagerplatz bildete. Lustige Gespräche um den Gaskocher waren inklusive.

Der zweite Tag bot eine kurze und eine lange Variante Kajakfahren, wo der Teamgeist das erste und einzige mal strapaziert wurde, als "No Mercy" Werner den langen Weg, etwa 50 km, fahren wollte, während die anderen drei um die Qualen wissend um Gnade baten und schließlich auch fanden. Etwa eine halbe Stunde vor unserer Ankunft wurden wir dann wieder einmal abgebürstet, als Ussher’s Boote uns trotz 20 km Umweg mit perfekter Paddeltechnik, präziser Steuerung und motorbootähnlicher Geschwindigkeit überholte. Im Ziel waren wir dann doch alle sehr froh, die "kurze" Runde gefahren zu sein. Nach dem Besuch eines wahrhaft königlichen Lokals, wo der Bu(e)rger König ist, fuhren wir per Bustransfer zum Start der Laufetappe in der Rub al Khali dem "leeren Viertel".

Nach einer wunderbaren Wüstennacht begann die härteste Etappe des ADAC, nämlich ein ausgiebiger Lauf durch die unendlichen Sanddünen der Rub al Khali. Wir hatten uns vorgenommen, an den Besten dranzubleiben, bis es zu den optionalen Kontrollpunkten ging, wo wir uns dann an den kürzesten Weg halten wollten. Der Anfang fiel uns trotz des ungewohnten Laufgepäcks relativ leicht, aber nach 23 km waren wir doch etwas angeschlagen und froh, unserem eigenen Rhythmus folgen zu können. Am Checkpoint 4 nach 37 km waren unsere Füße ziemlich kaputt und sowohl Christian als auch Andrea schon etwas angeschlagen. Wir legten uns in den Schatten der Autos und saßen die erste Hälfte unserer Achtstundenpflichtpause ab. Als die schlimmste Hitze vorüber war, liefen wir erstaunlicherweise wieder relativ flott los. Aber nach Einbruch der Dunkelheit und der zweiten Dünenpassage waren unsere Beinschmerzen derart, dass an Laufen nicht mehr zu denken war. Die letzten drei Kilometer bis zum CP 6 stolperten wir mehr schlecht als recht durch die Wüste. Nach der zweiten vier Stunden Pause, einer kargen Mahlzeit aus Fladenbrot, geschmolzenem Käse und mittlerweile gut gegartem Roastbeef, blieb die erhoffte Regeneration aus. Unsere mangelnde Erfahrung mit Karte und GPS und unsere fortgeschrittene Müdigkeit verwandelten diese letzten 15 km in einen betäubenden langen Marsch. Nach 22,5 Stunden kamen wir völlig erschöpft im Camp an. Ich genoss einen übriggebliebenen, zwei Tage alten, säuerlich schmeckenden Burger und wir verbrachten den Tag ruhend. Die Topteams kamen in einer großen Gruppe etwa 4 Stunden nach uns von einer großen Düne aufs Lager zugestürmt und so mancher von diesen machte einen deutlich schlechteren Eindruck als wir.

Der Anblick meiner blasenzerfressenen Füße ließ mich große Zweifel an meiner Radform für den nächsten Tag hegen. Erstaunlicherweise waren wir auf der ersten (30 km) von den zwei Radetappen bis zum Qasr Al Sarab, einem Luxushotel mitten in der Wüste, abgesehen von ein paar Startschwierigkeiten ziemlich gut unterwegs und daher umso motivierter, auch im zweiten Teil (50 km) ganz vorne mitzuspielen. Andrea allerdings war weniger zuversichtlich, da sie sich weder in Radgruppen noch auf rutschigem Terrain besonders wohl fühlt. Wir versuchten sie zu ermutigen, aber wie es manchmal so kommt, tritt ein, was man befürchtet. Noch in der neutralisierten Phase kam es zu einem Sturz mit Andrea und mir. Ich fand mich unbeschädigt im Sand wieder, doch Andrea klagte über Schmerzen im Handgelenk, was sich später als Knochenbruch herausstellte. Trotz Schmerzen und Furcht nochmals zu stürzen und um den Ehrgeiz ihrer Teamkameraden wissend, gab sie nicht auf und quälte sich weiter durch Sandsturm, Gegenwind, zahllose Sandpassagen, darüber hinaus noch schlecht unterstützt durch den missgelaunten männlichen Rest des Teams. Doch nach dreißig Kilometern siegte die Vernunft. Nach einer kurzen Unterhaltung mit dem Doktor entschied sich Andrea aufzuhören. Wir fuhren missgelaunt weiter, bis Christian erschöpft und vom Sand genervt 8 km vor dem Ziel das Handtuch warf. Werner und ich erreichten noch Rad fahrend das Etappenziel. Das Rennen war für uns damit aber vorzeitig beendet, da wir keine Motivation mehr aufbringen konnten, die letzte Etappe (Laufen, Klettern und MTB) am Dschebel (Berg) Hafeet zu absolvieren.

Während des ganzen Bewerbs hat unser Team Kameradschaft vorbildlich exekutiert, von der Verteilung von Essen und Tragegewicht über das Schlafen im Zelt und die Arbeitsteilung bis hin zu diesen kleinen Gesten, die doch so wichtig sind. Ohne zu weit ins philosophische Abschweifen zu wollen, möchte ich doch sagen, dass man sich selbst und seine Teamkameraden durch solch ein Rennen wohl besser kennen lernt als sonst.

Neben meinem persönlichen Fazit des ADAC ist es ein wirklich besonderer Wettkampf mit Abenteuercharakter, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Mit etwas Training im Kajak und etwas weniger Ehrgeiz hinsichtlich des Tempos erlebt man Teamgeist und Wüstenstimmung. Die Reduktion auf das Notwendigste bei einigen Etappen lässt einen den Komfort unseres gewöhnlichen Lebens viel dankbarer hinnehmen und trägt so vielleicht auch zu einer größeren Zufriedenheit bei.


Faris Al-Sultan